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Jobporträt: Scrum Master

25. Oktober 2024

Jobportrait: Scrum Master

ERP Information 4/2024, Startseite, Jobportrait Scrum Master

Verena Stabel ist seit Juni 2024 Senior Scrum Master bei der CARSYNC GmbH, einem Münchner Unternehmen, das innovative digitale Mobilitätslösungen anbietet. CARSYNC fokussiert sich auf agile Produktentwicklung und Nachhaltigkeit und bietet SaaS-Lösungen zur Digitalisierung von Fuhrparks, um effiziente und umweltfreundliche Mobilität zu fördern.

Redaktion: Frau Stabel, was wird unter der Berufsbezeichnung „Scrum Master“ verstanden?

Ein Scrum Master ist ein Teamcoach, der die Hauptverantwortung dafür trägt, dass das Scrum Framework korrekt umgesetzt wird. Ein zentraler Schwerpunkt des Scrum Frameworks liegt auf der inkrementellen Produktentwicklung, bei der das Produkt schrittweise in kleinen, funktionierenden Einheiten entwickelt wird. Der Scrum Master unterstützt das Team dabei, den Fortschritt der Produktentwicklung klar darzustellen – sei es durch tägliche Scrum Meetings, Reviews oder Retrospektiven. Diese regelmäßigen Feedback-Schleifen erlauben es dem Team, schnell auf Veränderungen zu reagieren und kontinuierliche Verbesserungen vorzunehmen. Gleichzeitig ist ein Scrum Master auch dafür verantwortlich, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Hindernisse schnell identifiziert und gemeinsam mit dem Team Lösungen entwickelt werden. Ziel ist es, das Team dabei zu unterstützen, sowohl die Arbeitsprozesse als auch die Qualität der Ergebnisse stetig zu verbessern.

Ferner spielt der Scrum Master eine entscheidende Rolle in der Organisationsentwicklung. Er fördert agile Werte und Prinzipien innerhalb der gesamten Organisation und verantwortet die Schaffung einer Organisationskultur, die einen konstanten Lernprozess, Anpassungsfähigkeit und Zusammenarbeit unterstützt.

Redaktion: Wie sind Sie auf diesen Beruf aufmerksam geworden und was hat Sie zu Ihrer Berufswahl motiviert?

Meine erste Erfahrung mit Scrum sammelte ich in einem Start-up, wo ich als Junior-Mitarbeiterin tätig war. Bereits damals fand ich die Rolle des Scrum Masters äußerst spannend. Später wechselte ich in andere Organisationen und sammelte Erfahrungen als Projektmanagerin und im Teammanagement. In diesen Positionen, insbesondere in klassischen Wasserfall-Projekten, erlebte ich jedoch häufig Frustration, hauptsächlich aufgrund fehlender Kommunikation und starrer Projektplanung. Diese Arbeitsweise führte zu Unzufriedenheit, da aus meiner Sicht viel Potenzial in den Teams und Projekten ungenutzt blieb.

Aus dieser Frustration heraus beschloss ich, eine Weiterbildung zum Scrum Master zu absolvieren – eine Entscheidung, die mein Berufsleben nachhaltig verändert hat. Nach zwei Monaten intensiver Schulung erhielt ich die Möglichkeit, meine erste Rolle als Scrum Master in einem großen Technologie-Beratungsunternehmen zu übernehmen.

Heute bin ich in dieser Rolle sehr glücklich, denn sie verlangt jeden Tag nach Mut und Offenheit. Ich sehe, wie das Scrum Framework echte Ergebnisse liefert und wie Teams durch diese Arbeitsweise besser kommunizieren, sich schneller anpassen und insgesamt produktiver und zufriedener sind. Es fühlt sich einfach richtig an, einen solchen positiven Einfluss auf Teams und Projekte zu haben.

Redaktion: Welcher Bildungsweg liegt dem Beruf zugrunde? Werden konkrete Qualifikationen vorausgesetzt?

Scrum Master ist kein klassischer Ausbildungsberuf mit einem festgelegten Bildungsweg. Stattdessen liegt der Fokus auf dem Verständnis des Scrum Frameworks und den Prinzipien der agilen Produktentwicklung. Diese Grundlagen können durch spezielle Scrum-Schulungen und Zertifizierungen wie zum Beispiel von Scrum.org erworben werden. Sie sind ein wichtiger erster Schritt, ersetzen jedoch nicht die Praxiserfahrung. Vor allem Erfahrungen im Umgang mit Menschen und Teams sind von großer Bedeutung. Ein Scrum Master muss ein tiefes Verständnis für Teamdynamiken haben und in der Lage sein, verschiedene Persönlichkeiten und Arbeitsstile zu koordinieren. Erfahrung in der Führung von Teams, in der Produktentwicklung oder in der Organisationsentwicklung ist daher ein klarer Vorteil.

Redaktion: Welche Kompetenzen und Fähigkeiten sind bei der Ausübung dieser Tätigkeit von Vorteil?

Eine der wichtigsten Kompetenzen ist die Coaching-Fähigkeit: Als Servant Leader unterstützt man das Team dabei, eigenverantwortlich zu arbeiten und sich kontinuierlich zu verbessern. Kommunikationsstärke ist essenziell, da der Scrum Master zwischen Team, Stakeholdern und Management vermittelt und für klare, transparente Abläufe sorgt.

Konfliktlösungskompetenz und Empathie helfen, Spannungen im Team früh zu erkennen und konstruktiv zu moderieren. Emotionale Intelligenz, Durchsetzungsvermögen und Mut sind entscheidende Stärken: Der Scrum Master muss bereit sein, Risiken einzugehen, Veränderungen anzustoßen und das Team zu ermutigen, neue Wege zu gehen.

Redaktion: Wie sieht ein klassischer Arbeitstag aus und welche Aufgaben übernehmen Sie?

Ein klassischer Arbeitstag als Scrum Master ist stark geprägt von Kommunikation und Planung. Ich verbringe viel Zeit im Austausch mit den Teams, sowohl in Gruppenmeetings als auch in Einzelgesprächen, um aktuelle Probleme und Herausforderungen zu identifizieren.

Um diese Herausforderungen anzugehen, werden Workshops, Trainings und Meetings geplant, die einen Raum schaffen, in dem Teammitglieder offen über ihre Anliegen sprechen und gemeinsam Lösungen entwickeln können. Ziel ist es, kontinuierliches Lernen und die Weiterentwicklung des Teams zu fördern. Zusätzlich gehört zur Verantwortung eines Scrum Masters auch die Weiterentwicklung der Organisation. Ich arbeite eng mit dem Management zusammen, um auch auf Organisationsebene agile Prinzipien im gesamten Unternehmen zu verankern.

Redaktion: Welche Aspekte Ihres Berufes schätzen Sie besonders und an welchen Herausforderungen sind Sie besonders gewachsen?

In meinem Beruf schätze ich besonders den starken Wertebezug, der in der agilen Arbeit verankert ist. Werte wie Offenheit, Mut und Respekt lebe ich täglich vor und motiviere mein Team, diese zu verinnerlichen. Es ist inspirierend zu sehen, wie sich die Teams und die Organisation entwickeln und wie wir gemeinsam Erfolge feiern. Herausforderungen wie das Navigieren durch Widerstände und das Fördern von Veränderungen haben mich wachsen lassen. Diese Erfahrungen haben meine Fähigkeiten zur Konfliktlösung und zum Anstoß positiver Veränderungen erheblich gestärkt.

Redaktion: Welchen Ratschlag möchten Sie jenen mit auf den Weg geben, die den Beruf des Scrum Masters anstreben?

Mein Ratschlag für angehende Scrum Master ist, die Balance zwischen der Scrum-Ideologie und dem Experimentieren zu finden. Seid mutig, neue Wege zu gehen und innovative Ansätze auszuprobieren! Gleichzeitig ist es wichtig, aufmerksam zuzuhören, was das Team braucht. Jedes Team ist einzigartig und es erfordert Sensibilität, um herauszufinden, wie es am besten unterstützt werden kann.

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