Worauf sollten Unternehmen bei der ERP-Auswahl mit Blick auf Nutzung und Anpassbarkeit achten?
Vier Prüffragen für industrielle Software
von Christoph Teichert
ERP-Systeme müssen immer mehr leisten. Doch für Anwender sollte die dahinterliegende Komplexität möglichst wenig spürbar sein. Wählen Unternehmen eine ERP-Lösung aus, sollten sie auch darauf achten, wie systematisch sie Nutzung und Anpassung vereinfacht. Vier Prüffragen geben dafür Orientierung.
Gerade in der industriellen Fertigung stellen anspruchsvolle Prozesse hohe fachliche und technologische Anforderungen an ERP-Systeme. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach mehr Einfachheit auf der Administrations- und Bedienebene – und zwar ohne die technische und funktionale Tiefe reduzieren zu müssen. Der Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs widmet sich der Gestaltungsansatz „Simplification“. Für die ERP-Auswahl lassen sich daraus vier Fragen ableiten.
1. Sehen Anwender nur die Informationen und Funktionen, die sie wirklich benötigen?
Je umfangreicher ein ERP-System in einem Unternehmen genutzt wird, desto wichtiger ist es, Informationen gezielt zu reduzieren. Hierauf sind rollen- und kontextbezogene Oberflächen ausgerichtet. Sie zeigen nur die Felder und Funktionen, die für die jeweilige Aufgabe relevant sind. Weiterführende Details lassen sich bei Bedarf einblenden. Idealerweise können zudem Masken miteinander verknüpft werden, sodass Anwender ohne unnötige Zwischenschritte durch ihre Aufgaben geführt werden. Das erleichtert die Orientierung, reduziert unnötige Eingaben und kann Fehlbedienungen vermeiden.
In PSIpenta/ERP unterstützt beispielsweise das Click-Design diesen Ansatz. Anwender können Oberflächen und Ansichten an unterschiedliche Nutzungssituationen anpassen und prozessbezogen miteinander verknüpfen – ohne Programmierkenntnisse.
Diese Strukturen bilden zugleich das Fundament für die nächste Entwicklungsstufe, in der moderne KI-Assistenten, Daten proaktiv bündeln und Standardaufgaben zunehmend autonom abwickeln werden. Die aufgeräumte Benutzeroberfläche bleibt dabei als zentrale Brücke unverzichtbar, damit der Mensch im Sinne des ‚Human-in-the-Loop‘-Prinzips jederzeit die Kontrolle behält und gezielt eingreifen kann.
2. Lassen sich Prozesse und Regeln ohne Programmieraufwand anpassen?
Unternehmen müssen ERP-Prozesse laufend an neue Anforderungen anpassen können, etwa wenn sich Freigaben, Regeln oder Abläufe ändern. Oft ist dafür individuelle Programmierung erforderlich, wodurch zusätzliche Abhängigkeiten von IT-Ressourcen oder dem Softwareanbieter entstehen. Sinnvoll sind daher Systeme, die fachliche Logik möglichst vom eigentlichen Programmcode trennen und Anpassungen näher am Prozess selbst ermöglichen.
Auch in PSIpenta/ERP lassen sich Prozesse auf Basis von BPMN 2.0 grafisch modellieren, ohne programmieren zu müssen. Damit sinkt der technische Aufwand für Anpassungen, und Änderungen lassen sich flexibel, schnell und fachnah umsetzen.
3. Vereinfacht das ERP-System komplexe Planungs- und Entscheidungsaufgaben?
Bei der Fertigungsplanung und -steuerung sind Anwender gefordert, zahlreiche Parameter, Abhängigkeiten und Zielkonflikte gleichzeitig zu berücksichtigen. Auswirkungen einzelner Maßnahmen zuverlässig einzuschätzen und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten, erfordert viel Erfahrung. Unterstützung bieten Systeme, die relevante Zusammenhänge verdichten, Szenarien gegenüberstellen und Handlungsalternativen transparent machen.
In PSIpenta/ERP kommen dafür KI-gestützte Optimierungsverfahren zum Einsatz, die u. a. historische Planungsmuster berücksichtigen, alternative Produktionssequenzen vorschlagen und Engpässe frühzeitig sichtbar machen. Auf diese Weise vereinfacht das System die Entscheidungsfindung, ohne die zugrunde liegende notwendige Komplexität zu reduzieren.
4. Ist die technologische Basis auf Veränderung ausgelegt?
Mit zunehmend vernetzten Systemlandschaften wächst auch die technologische Tiefe im Hintergrund. Daten müssen zwischen Anwendungen fließen, Funktionen zusammenspielen und neue Komponenten möglichst ohne weitreichende Abhängigkeiten integrierbar sein. Für die ERP-Auswahl lohnt deshalb der Blick darauf, wie modular eine Lösung aufgebaut ist und wie gut sie sich in bestehende und künftige Systemlandschaften integrieren oder ausbauen lässt.
Auch für PSI ist dies eine zentrale ERP-Entwicklungsrichtung. Ziel ist es, Systeme durch konsequent modulare Strukturen schlanker und flexibler aufzubauen und zugleich Weiterentwicklungen und Integrationen zu erleichtern.
Simplification als zusätzlicher Qualitätsmaßstab
Bei der ERP-Auswahl lohnt es sich für Unternehmen, neben Funktionsumfang, Technologie und Integrationsfähigkeit auch darauf zu achten, wie eine Lösung mit Komplexität umgeht. Gute Systeme bilden anspruchsvolle Prozesse und technische Zusammenhänge zuverlässig ab – und schaffen zugleich Bedingungen, unter denen Anwender effizient arbeiten und Änderungen mit vertretbarem Aufwand umsetzen können. Simplification erweitert den Blick damit um einen wichtigen Qualitätsaspekt.
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