22. April 2026

ERP Information 1/2026: Titelbild Marktübersicht Eggert/Bui

ERP-Marktübersicht 2026

82 Lösungen im Vergleich

Sandy Eggert und Victoria-Kim Bui

Die industrielle Wertschöpfung befindet sich weiterhin im Wandel. Digitale Transformation, steigende Anforderungen an Transparenz in Lieferketten und regulatorische Vorgaben prägen die Entwicklung moderner ERP-Systeme. Gleichzeitig wächst der Bedarf an flexiblen, skalierbaren Lösungen, die über klassische Verwaltungsfunktionen hinausgehen. ERP-Systeme entwickeln sich zunehmend zu integrierten Plattformen für operative Prozesse, Steuerung und datenbasierte Entscheidungen.

Vor diesem Hintergrund hat die Redaktion der Zeitschrift ERP Information eine umfassende Marktübersicht erstellt, in der 82 ERP-Systeme analysiert wurden. Die Untersuchung zeigt eine breite funktionale und branchenspezifische Ausrichtung der Lösungen sowie deutliche Schwerpunkte in zentralen Anwendungsbereichen. Die Branchenabdeckung verdeutlicht eine breite Ausprägung der untersuchten ERP-Systeme über verschiedene Branchen hinweg. Im Dienstleistungsumfeld adressieren 48 Systeme allgemeine Dienstleistungen, während 42 Systeme IT-Dienstleistungen und 22 Systeme Unternehmensberatungen unterstützen. Die Bauindustrie wird von 22 Systemen abgedeckt. Im Handel ist der Großhandel mit 56 Systemen am stärksten vertreten, gefolgt vom technischen Großhandel (53). Der Einzelhandel wird von 30 Systemen unterstützt. Außenhandel und Einkaufsverbünde liegen jeweils bei 39 Systemen, der Versandhandel bei 47 und der internationale Handel bei 49.
Den größten Fokus bildet weiterhin die produzierende Industrie. Besonders stark vertreten sind Auftragsfertigung (58 Systeme), Kleinserienfertigung (51), Variantenfertigung (50) und Einzelfertigung (49). Die Kunststoffindustrie wird von 46 Systemen abgedeckt. Weitere relevante Branchen sind Maschinen- und Anlagenbau (50 Systeme), Medizintechnik (45) sowie Metallindustrie und Stahlbau (43). Serienfertigung und Sondermaschinenbau liegen jeweils bei 44 Systemen, der Sonderfahrzeugbau bei 39. Die Fließ- und Prozessfertigung ist mit 26 Systemen vergleichsweise schwach vertreten.

Unternehmensgrößen

Die untersuchten ERP-Systeme richten sich überwiegend an kleine und mittlere Unternehmen. Für Betriebe mit 1–25 Mitarbeitenden sind 55 Systeme geeignet, für 26–50 Mitarbeitende 66. Die größte Abdeckung besteht bei Unternehmen mit 51–100 sowie 101–250 Beschäftigten (jeweils 77 Systeme). Auch Firmen mit 251–500 Mitarbeitenden werden noch breit unterstützt (70 Systeme). Für größere Organisationen nimmt die Auswahl ab: 50 Systeme adressieren Unternehmen mit 501–1.000 Mitarbeitenden, 29 Systeme solche mit bis zu 10.000. Für Konzerne mit mehr als 10.000 Beschäftigten stehen noch 18 Lösungen zur Verfügung.

Dienstleistungsspektrum

Neben den funktionalen Eigenschaften der ERP-Systeme ist das begleitende Dienstleistungsangebot entscheidend für den erfolgreichen Einsatz. Die Marktübersicht zeigt, dass die meisten Anbieter ein umfassendes Portfolio bereitstellen. Klassische Implementierungs- und Projektleistungen sind besonders stark vertreten: 81 Systeme unterstützen bei der Softwareeinführung, 80 Systeme ermöglichen Softwareerweiterung und -entwicklung, und Schulung sowie Support sind mit 79 Systemen nahezu flächendeckend verfügbar.

Projektmanagement wird von 78 Systemen angeboten, Stammdatenmigration, die insbesondere bei Systemwechseln wichtig ist, von 77 Systemen.
Auch organisatorische und strategische Beratung spielt eine große Rolle. Organisations- und Prozessberatung wird von 71 Systemen bereitgestellt, IT-Strategieberatung von 52 Systemen, und Change Management ist bei 36 Systemen Teil des Angebots, was die wachsende Bedeutung von Veränderungsprozessen in ERP-Projekten unterstreicht. Technologische Betriebsmodelle ergänzen das Spektrum: Cloudlösungen über Application Service Providing (SaaS) werden von 48 Systemen unterstützt, Application Hosting von 34 Systemen, während Business Process Outsourcing mit 16 Systemen noch eine eher untergeordnete Rolle spielt. Insgesamt begleiten die Anbieter Unternehmen entlang des gesamten ERP-Lebenszyklus, von der Planung über die Einführung bis zur kontinuierlichen Weiterentwicklung.

Bild 1: Systemeignung bezogen auf Unternehmensgrößen, n = 82, Mehrfachantworten möglich.

Zentrale Funktionen

Die Analyse der Funktionslandschaft zeigt ein hohes Niveau an Standardisierung. Kernfunktionen wie Angebots- und Auftragsmanagement, Vertrieb, Lieferantenmanagement, Mehrsprachigkeit sowie Lager- und Logistikfunktionen sind in nahezu allen Systemen integriert und bilden die Grundlage für eine durchgängige Unterstützung betrieblicher Prozesse. Reporting, Einkauf und E-Procurement, Controlling sowie Business Intelligence sind ebenfalls in der Mehrheit der Systeme vorhanden und verdeutlichen die zunehmende Bedeutung datengetriebener Entscheidungen. Dokumentenmanagement, Projektverwaltung, Reklamationsmanagement und Workflowsteuerung runden die zentralen Module ab.

Funktionen mittlerer Abdeckung wie Service und Wartung, Fertigungsplanung und -steuerung, Multi-Projektmanagement sowie Personaleinsatzplanung und Personalverwaltung sind in vielen, aber nicht allen Lösungen integriert. Funktionen wie Produktentwicklung oder Webshop-Funktionalität sind bei der Hälfte der untersuchten Systeme vorhanden, während digitale Sprachassistenten mit 14 Systemen aktuell nur vereinzelt unterstützt werden.

Vertrieb und Kundenkommunikation

Die ERP-Systeme bieten zunehmend umfassende Unterstützung für Verkaufsprozesse und Kundeninteraktionen. Zentrale Module sind flächendeckend implementiert und bilden die Grundlage für eine durchgängige Kundenbetreuung. Die Auftragsverwaltung, die von Angebot über Auftrag und Rechnung bis zum Lieferschein alle Schritte abdeckt, wird von 81 Systemen unterstützt und ist damit die am weitesten verbreitete Funktion im Vertriebsbereich. Auch CRM-Funktionen sind mit 76 Systemen stark vertreten, während Bestands- und Transparenzfunktionen von 73 Systemen bereitgestellt werden. Funktionen wie E-Mail-Kampagnen, Produktkonfiguratoren oder Gutscheinverwaltung sind in einer mittleren Anzahl von Lösungen verfügbar.

Besonders hoch ist die Abdeckung bei der Definition von Ansprechpartnern sowie der Nachverfolgung von Interessenten und Kundenaktivitäten. Viele Systeme bieten zudem die Anbindung an Onlineshops und mobile Endgeräte sowie die zentrale Verwaltung von Lieferzeiten und mehreren Lieferadressen. Funktionen wie Kassensysteme oder Streckengeschäft sind nur in einem Teil der Systeme implementiert. Weitere unterstützende Module umfassen unter anderem Absatzplanung, Auftragsübernahme aus Webshops, Auslandsaufträge, automatisierte Lieferabrufe, Beschwerdemanagement, individuelle Konditionen, Kampagnenmanagement und Rahmenvereinbarungen.

Bild 2: Abdeckung zentraler Funktionen, n = 82, Mehrfachantworten möglich

Einkauf und Beschaffung

Auch im Bereich Einkauf und Beschaffung zeigen die ERP-Systeme eine sehr hohe Funktionsabdeckung. Sie decken sowohl klassische Einkaufsprozesse als auch komplexe Lieferanten- und Bestandssteuerung ab. Die Angebotsverwaltung ist mit 82 Systemen vollständig integriert, Lieferantenanfragen und Lieferantenangebote jeweils mit 78 Systemen. Artikelgenaue Bestellmengen werden von 76 Systemen unterstützt, automatisierte Lieferabrufe von 62 und Bestellvorschläge von 78 Systemen. Das Bestellpunktverfahren und die Bevorratungsplanung sind ebenfalls weit verbreitet.

Die Lieferantenverwaltung ist in den meisten Systemen standardisiert. Lieferantenbewertung, Lieferantenreklamationen, Lieferantenvergleiche sowie Lieferantenverträge inklusive Zahlungsbedingungen und Preisstaffeln sind in der Mehrheit der Lösungen vorhanden. Auch das Liefermahnwesen wird von den meisten Systemen abgedeckt. Weitere Funktionen wie Fremdleistungsmanagement, ABC-Analysen, Alternativvorschläge für Lieferanten, Minimalbestände, Nachfragemanagement, Rahmenverträge und Anzahlungsplanung runden das strategische und operative Beschaffungsportfolio ab.

Die Ergebnisse zeigen, dass ERP-Systeme nicht nur operative Einkaufsprozesse abbilden, sondern auch eine fundierte strategische Lieferantensteuerung ermöglichen. Damit schaffen sie die Grundlage für effiziente Beschaffung, optimierte Bestände und transparente Lieferketten.

Materialwirtschaft und Logistik

Die Materialwirtschaft und Logistik gehören weiterhin zu den Kernstärken von ERP-Systemen. Die Marktübersicht zeigt eine weitgehend standardisierte und breit ausgebaute Funktionsabdeckung. Zentrale Funktionen wie Lagerverwaltung (77 Systeme), Warenwirtschaft (76 Systeme) und Lagerortverwaltung (76 Systeme) sind nahezu durchgängig vorhanden. Auch Inventur, integrierte Lagerverwaltung, Materialwirtschaft sowie Wareneingangs- und -ausgangsprüfung werden jeweils von 75 Systemen unterstützt. Im Bereich Bestandsführung sind Bestandsbewertung (73 Systeme), Seriennummernverwaltung (75 Systeme), Chargenverwaltung (72 Systeme) und Disposition (74 Systeme) weit verbreitet. Operative Prozesse wie Kommissionierung und Barcodeerfassung am Wareneingang (jeweils 74 Systeme) sowie Barcodeetiketten (72 Systeme), Etikettierung (70 Systeme) und Artikelreservierung (71 Systeme) sind ebenfalls in vielen Systemen integriert.

Produktion

Die Produktionsfunktionen decken die grundlegenden Prozesse in vielen Systemen ab, während spezialisierte Anwendungen deutlich seltener vertreten sind. Zum Standard gehören vor allem Materialbedarfsplanung (59 Systeme), Fertigungsplanung sowie Fertigungsauftragsfreigabe und -rückmeldung (jeweils 59 Systeme). Auch die Absatz- und Produktionsgrobplanung ist in vielen Lösungen integriert. Für die operative Steuerung sind Funktionen wie Arbeitsplatz- und Ressourcenverwaltung (55 Systeme) und Betriebsdatenerfassung (56 Systeme) relevant. Stücklistenverwaltung und Qualitätsmanagement sind ebenfalls häufig vorhanden. Im Mittelfeld liegen Variantenmanagement (57 Systeme), Anlagenverwaltung (49 Systeme) und Supply Chain Management (45 Systeme). Erweiterte Funktionen wie APS, grafische Leitstände und Maschinendatenerfassung (jeweils 46 Systeme) sind nicht durchgängig verbreitet. Themen wie Condition Monitoring (26 Systeme), Laborinformationssysteme (17 Systeme) und MES (32 Systeme) spielen vor allem in spezifischen Einsatzfeldern eine Rolle.

Fazit

Die Marktübersicht 2026 zeigt, dass ERP-Systeme heute eine sehr breite und weitgehend standardisierte Abdeckung zentraler Unternehmensprozesse bieten. Insbesondere in Bereichen wie Finanzwesen, Materialwirtschaft, Vertrieb und Einkauf verfügen die meisten Lösungen über einen hohen Reifegrad und ermöglichen eine durchgängige Prozessintegration. Unterschiede bestehen vor allem in spezialisierten Funktionsbereichen wie Produktion, Projektmanagement oder Personalwirtschaft, in denen die Ausprägung je nach System und Zielbranche variiert. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Cloud, mobile Anwendungen und Systemintegration zunehmend an Bedeutung und entwickeln sich zum Standard.

Die detaillierte Funktionsabdeckung der 82 Systeme und Kontaktmöglichkeiten zu den Anbietern sind in den nachfolgenden Tabellen aufgeführt – ergänzt durch die Antworten der Unternehmen auf die offenen Fragen. Aus Platzgründen können nicht alle Tabellen zur Funktionsabdeckung gelistet werden. Die vollständige Übersicht erscheint jedoch im Spätsommer dieses Jahres im neuen Handbuch ERP-Markt im DPI-Verlag.

Prof. Dr. Sandy Eggert, Chefredakteurin der Zeitschrift ERP Information

Prof. Dr. Sandy Eggert hat eine Professur
für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere
Wirtschaftsinformatik an der HWR Berlin inne
und leitet dort auch den Bachelor-
studiengang Wirtschaftsinformatik.

Prof. Dr. Sandy Eggert
Zeitschrift ERP Information
E-Mail: sandy.eggert@erp-information.de

Victoria-Kim Bui

Victoria-Kim Bui ist Redaktionsassistentin der Fachzeitschrift ERP Information.