Jobporträt: Government Relations Managerin
Alessa Gangl ist Government Relations Managerin bei der Bechtle AG und lebt in Berlin. In ihrer Rolle gestaltet sie gemeinsam mit ihrem Team die politische Interessenvertretung auf nationaler und europäischer Ebene. Zudem ist sie Vorstandsmitglied der Initiative D21 und engagiert sich für die Gestaltung einer zukunftsfähigen digitalen Gesellschaft sowie die Stärkung von IT‑Kompetenzen.
Frau Gangl, welche zentralen Aufgaben erfüllen Sie konkret in Ihrer Rolle als „Government Relations Managerin“ bei Bechtle?
In meiner Rolle verantwortet unser Team die politische Interessenvertretung der Bechtle AG. Dazu gehört, den „Talk of the town“, sprich politische und gesetzgeberische Entwicklungen, frühzeitig einzuordnen und den kontinuierlichen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, Verbänden und relevanten Stakeholdern zu führen. Gleichzeitig sorge ich dafür, dass wir diese Entwicklungen intern transparent und verständlich machen und unternehmerisch für unsere Kunden im Public Sector und uns richtig einordnen.
Welcher akademische und berufliche Werdegang ebnet erfahrungsgemäß den besten Weg in dieses spezifische Tätigkeitsfeld?
Studiengänge wie Politikwissenschaft, Public Affairs, BWL oder VWL können eine gute Grundlage sein. In meinem Fall hat vor allem die Kombination aus BWL und Wirtschaftsinformatik geholfen, wirtschaftliche Zusammenhänge und technologische Entwicklungen nachzuvollziehen und zu übersetzen, ein klarer Vorteil in einem zunehmend digital geprägten regulatorischen Umfeld. Dadurch kann ich politische Fragestellungen stärker aus einer unternehmerischen und technologischen Perspektive einordnen.
Wie gestaltet sich die reale Aufteilung Ihrer Arbeitswoche zwischen interner Strategieentwicklung und externer politischer Repräsentanz?
Meine Arbeit spielt sich irgendwo zwischen Strategie-Call und politischem Termin ab. Ein großer Teil besteht darin, politische Entwicklungen einzuordnen und sie intern mit den Fachbereichen zu besprechen. Gleichzeitig bin ich viel im Austausch mit politischen Akteuren, Verbänden und Netzwerken. Wie genau sich das verteilt, hängt immer davon ab, was politisch gerade passiert, genau das macht den Job aber auch so spannend und abwechslungsreich.
Welche Kernkompetenz ist absolut unerlässlich, um erfolgreich zwischen privatwirtschaftlichen Interessen und staatlichen Institutionen zu vermitteln?
Entscheidend ist die Fähigkeit, komplexe regulatorische Entwicklungen schnell zu erfassen und in konkrete Auswirkungen für das Unternehmen zu übersetzen. Gleichzeitig spielen soziale Kompetenzen eine zentrale Rolle, insbesondere die Fähigkeit, tragfähige Beziehungen aufzubauen und Netzwerke aktiv zu pflegen. Gerade im IT-Umfeld ist es wichtig, politische Rahmenbedingungen nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil unternehmerischer Steuerung, nur so bleibt man langfristig handlungsfähig.
Was zeichnet sich in der täglichen Praxis als die größte systemische oder bürokratische Hürde ab?
Die größten Herausforderungen sind oft die Dynamik und die komplexen Prozesse und Verfahren. Unterschiedliche Zuständigkeiten, lange Abstimmungswege und sich ständig verändernde Rahmenbedingungen machen es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Umso wichtiger ist es, Entwicklungen früh zu erkennen und sauber einzuordnen, um im Unternehmen die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Unser Government-Relations-Team leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Orientierung und strategischen Planung.
Abseits von Zahlen und Strategien: Welcher Aspekt Ihrer täglichen Arbeit bereitet Ihnen die größte Freude?
Ich liebe es zu netzwerken, neue Menschen kennenzulernen und Kontakte aktiv zusammenzubringen. Genau diesen Austausch zu sehen, welche Themen Menschen bewegen und welche Entwicklungen sich abzeichnen, macht für mich den größten Reiz aus. Besonders spannend ist es für mich, frühzeitig zu erkennen, welche Themen morgen relevant sein werden, und diese dann aktiv mitzugestalten.
Welchen Rat geben Sie qualifizierten Interessierten für einen erfolgreichen Karriereeinstieg in diesem Bereich?
Government Relations lebt von Neugier, Eigeninitiative und dem Mut, auf Menschen zuzugehen. Wer Lust hat, an der Schnittstelle von Wirtschaft, Technologie und Politik zu gestalten, sollte diese Chance unbedingt nutzen. Mein wichtigster Rat ist: Einfach machen und früh starten. Sammelt praktische Erfahrungen, ob durch Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Engagement in Initiativen und baut euch aktiv ein Netzwerk auf. Gleichzeitig hilft es, sich inhaltlich zu positionieren und ein gutes Verständnis für wirtschaftliche und politische Zusammenhänge zu entwickeln.

